MICHAEL KEHR
Interview aus dem Newsletter 11/13
Deutsche Bühne Ungarn (Szekszard)

Michael Kehr

 

 

Was führte Sie zur Deutschen Bühne Ungarn?
Ich war vor 2 Jahren zu Besuch bei Pater Panteleimon, der mittlerweile Abt im Kloster Graboc ist. Ich kenne ihn seit vielen Jahren, als er noch Mönch auf dem heiligen Berg Athos war, und ich im Herbst ihm immer bei der Olivenernte geholfen habe. Ich besuchte ihn also in seinem neuen zu Hause, und er zeigte mir die Umgebung - unter anderem auch Szekszárd. Wir liefen über den Garay Tér, und ich war total erstaunt in - meiner Meinung nach - dem schönsten Haus am Platz ein Theater vorzufinden, und dazu ein deutsches. Ich schaute auf den Spielplan und siehe da: es waren zwei Stücke im Spielplan, die ich auch schon in Frankfurt gespielt hatte. Ich schrieb Frank Ildikó, daß ich Interesse hätte, hier zu spielen, und es kam eine freundliche kurze Mail zurück, daß ich mich doch bei Gelegenheit vorstellen solle. Ich war in Frankfurt noch unter Vertrag an einem Theater, und es zog ein weiteres Jahr ins Land, und ich kam wieder nach Szekszard - diesmal schaute ich vorbei, kam vom Volan Bus direkt ins Theater, um mir „Die Schneekönigin” anzuschaun, und war total begeistert vom Theater, von der Einfachheit und Klarheit der Inszenierung, vom freundlichen Pförtner Janos. Ich machte mein Kreuz und betete zu Gott, daß – egal, was draus wird - es ein gutes " Ding" wird, und ging die Treppen zum Intendanten Büro hoch. Ich stellte mir in meiner Phantasie vor wie Frank Ildiko wohl sein würde (ca. 50-60, männlich, vielleicht etwas dick?!), und war total erstaunt, eine junge dynamische Frau mit einem gewinnenden Lachen zu treffen. Das Gespräch war offen und nett, und wir haben viel gelacht. Der Rest ist Geschichte : ich bin jetzt an der DBU in Szekszard - Yippieh!

Welche waren bislang Ihre schönsten Momente an der DBU? Bisher gab es für mich fast ausschließlich "schönste" Momente! Die " schönsten" habe ich durch unsere außerwöhnlich begabte, mitreißende, tolle Regisseurin Bianca Lenhard erlebt, die durch ihre Arbeit den schau-SPIELER in mir ’rausgelockt hat. Ich war wie ein Kind in der ganzen Probenzeit (und ich bin ja schließlich der Senior in der Truppe). Ich finde, das Theater ist gesegnet mit einem phantastischen Ensemble - bis hin zum Backstagestaff. Wenn die Kostümbildnerin Olimpia lachend über die Gänge läuft, geht die Sonne auf. Ich habe mit Tom Pilath einen Schauspielkollegen, der mich positive Sinne fordert. Die Szenen mit ihm und Bianca zu erarbeiten hat einfach riesigen Spaß gemacht.... Und ich finde, daß das Resultat - "Momo" frei nach Michael Ende zeigt, dass da "gute Mächte" am Werk waren - inklusive eine Premierenparty mit Livemusik, nach dem sich ein Theater in Frankfurt alle fünf Finger lecken würde.

Was darf das Publikum über Sie als Privatperson wissen? In "Momo" sage ich als Grauer Herr: "in unserer modernen Welt haben Geheimnisse nicht mehr verloren!" Und, nun ja, da ich ein bißchen altmodisch bin, behalte ich meine Geheimnisse für mich...... Privat bin ich eher ein bißchen langweilig: ich koche gerne - manche sagen auch gut. Ich habe mich in Szekszard bei einem Aikidoverein angemeldet (eine asiatische Kampfkunst). Im Sommer mache ich gerne Radtouren, und bin einen Monat im Sommer auf einer Alm in Südtirol Kuhhirte. Wenn ich scharf nachdenken muss, bohre ich manchmal gedankenverloren in der Nase. Dann haut mir meine 76jährige Mutter auf die Finger und schimpft mit mir (also ein Fast-Geheimnis!).